Ein Van Gogh für 25.000 Euro?

Nicht ganz. Aber aus der Forschung an Gemälden entstanden völlig neue Möglichkeiten für Kunstliebhaber. Zwar übersteigt der Preis bei weitem den eines Posters, das Produkt ist aber vom Original nur vom absoluten Fachmann zu unterscheiden. Und so kostet es bei gleicher Anmutung nur einen Bruchteil der Vorlage, denn Van Goghs werden im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich gehandelt.

Die Firma Fujifilm hatte die Idee, eine Technologie, die bis dahin eingesetzt worden war, um Gemälde zu untersuchen, weiterzuentwickeln, um atemberaubend ähnliche Kopien von Kunstwerken herzustellen. Die Aussicht, etwas Geld für die Renovierung seines Hauses und den Erhalt der Sammlung dazu zu verdienen, bewog den Direktor des Amsterdamers „Van Gogh Museums“ zur Kooperation. Interessiert daran, neue Märkte zu erschließen stellte das Museum einige Gemälde für das Projekt zur Verfügung.

Und so konnten bisher die fünf Gemälde „Mandelblüte“, „Sonnenblumen“, „Sturmhimmel“, „Die Ernte“, „Feld“ und „Boulevard de Clichy“ des niederländischen Künstlers Vincent van Gogh in einem aufwendigen Verfahren präzise nachgebildet werden. Fujifilm hat den Produktionsprozess „Reliefographie“ getauft, am Ende entsteht als Ergebnis ein „Relievo“.

Die Technik dahinter

Zuerst muss das Kunstwerk in multidimensionalen Scans erfasst werden. Die Gemälde van Goghs, mit ihrem unvergleichlichen Impasto – dem plastischen Farbauftrag, bieten sich hier förmlich an. Das gesamte Kunstwerk wird sorgfältig abgescannt, inklusive des Rahmens und der Rückseite. Dabei entgeht kein Detail, denn jeder Pinselstrich, jede Schattierung, alle Einzelheiten werden in Form und Farbe erfasst. Dieser Prozess hat bei den Bildern aus dem Van-Gogh-Museum jeweils etwa drei Monate gedauert.

Der anschließende Druck nimmt bedeutend weniger Zeit in Anspruch. Dennoch ist es derzeit nicht möglich, mehr als drei der extrem hochaufgelösten Stücke pro Tag zu produzieren. Noch das kleinste Detail wird wiedergegeben, jeder Riss im Rahmen, jede Notiz auf der Rückseite und natürlich die ungeheure Plastizität der Maltechnik des Künstlers. Die Gemälde werden jeweils in einer Edition von 260 Stück aufgelegt. Jedes ist mit einem speziellen Siegel versehen, um Missbrauch zu vermeiden.

Ganz allgemein eröffnet die 3D-Technologie die Möglichkeit, Kunstwerke ganz anders erfahrbar zu machen. So können beispielsweise Bildungseinrichtungen mit den Reproduktionen neue Lernformen erkunden und z. B. die Haptik der bisher unberührbaren Werke erlebbar machen.